Material: Wie du dankbar wirst

Predigt in der FeG Edertal am 05.10.2008

Guten Morgen!
Ich freue mich, heute hier bei euch predigen zu dürfen, denn ich habe bisher noch nie bei einem Erntedank-Gottesdienst gepredigt.

Ich hab bei der Vorbereitung so überlegt:
Erntedankfest - soll ich über Ernte predigen oder eher zum Thema Dank? Ihr müsst wissen, ich komme aus der Stadt und habe in meinem Leben noch nie auf einem Dorf gelebt.

Ich hab also von Landwirtschaft und Ernte und so keine Ahnung. Und ein berühmter Komiker hat mal gesagt:
Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal... den Mund halten.

Deswegen möchte ich heute eher auf das Thema Dankbarkeit eingehen. Das ist ein Thema, das mir Gott so aufs Herz gelegt hat und wo ich auch was dazu sagen kann.

Ich habe die Predigt mal überschrieben mit:
„Wie du dankbar wirst“

Die Predigt richtet sich also hauptsächlich an Leute, die noch nicht ultimativ dankbar sind. Die noch nicht diese tiefe Dankbarkeit in ihrem Leben verspüren und ausstrahlen.

Ich weiß nicht, vielleicht sitzen ja heute einige unter uns, die das schon haben. Die schon total dankbar sind in ihrem Leben und das auch täglich vor Gott und anderen Menschen gegenüber ausdrücken können.

Ich will nicht ausschließen, dass es das gibt. Ich habe solche Menschen schon getroffen und erlebt. Aber ich persönlich gehöre noch nicht dazu und vielleicht der eine oder die andere von euch auch nicht.

Ich lade euch also ein, mit mir über das Thema
„Wie du dankbar wirst“ nachzudenken.

Was ist Dankbarkeit?

Bevor wir lernen können, wie wir dankbar werden, müssen wir erstmal verstehen, was Dankbarkeit überhaupt ist.

Ist
Dankbarkeit = Erziehung?

Vielleicht hast du das in deiner Familie auch schon so erlebt oder so gemacht:

Ein kleines Kind bekommt von der Oma etwas zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt.

Die Eltern sitzen daneben und sagen zu dem Kind:
“Sag Danke zur Oma“

Damit wollen sie das Kind erziehen, dankbar zu sein. Dem Kind soll eingeprägt werden, dass es “Danke“ sagt, wenn es etwas bekommt.

Ist das Dankbarkeit?
Heißt dankbar zu sein, eine erlernte Reaktion (Danke sagen) anzuwenden, wenn ich etwas bekomme?

Oder ist
Dankbarkeit = Höflichkeit?

Wir Menschen in Deutschland meckern und nörgeln über alles mögliche. Über das Wetter vor unserer Tür, die Politik in unserem Land, den Chef an der Arbeit, den Lehrer in der Schule, unsere Eltern zu Hause, unsere Kinder auf der Kirmes, die Gemeinde im Ort und über die Jugendarbeit im Keller.

Aber wenn uns jemand etwas schenkt und sei es noch der größte Schrott, dann sagen wir höflich: „Danke.“
„Dankeschön, viel Dank.“

Ist das Dankbarkeit?
Heißt dankbar zu sein, höflich zu sein?

Oder ist
Dankbarkeit = Zufriedenheit?

Wenn ich mit etwas zufrieden bin, dann fällt es mir leicht dafür dankbar zu sein.

Oder umgekehrt: Wenn ich für etwas danke, dann bin ich meistens auch damit zufrieden.

“Danke Gott, dass ich so günstig an diesen tollen Gebrauchtwagen drangekommen bin.“

“Danke Herr Nachbar, dass sie mir dabei geholfen haben, mein Dach neu zu isolieren.“

“Danke Papa, dass du mir diesen Monat mehr Taschengeld gegeben hast.“

Ist das Dankbarkeit?
Heißt dankbar zu sein, zufrieden zu sein?

Eine alternative Sicht

Ich glaube, alle der drei genannten Dinge
“Erziehung”, “Höflichkeit” und “Zufriedenheit” haben mit echter Dankbarkeit wenig zu tun.

Ich habe beim Durchforsten der Bibel zu diesem Thema gemerkt:

Die Leute, durch die wir in der Bibel etwas zu Thema “Dank” lesen, zeigen uns ein etwas anderes Bild von Dankbarkeit.

Da heißt es zum Beispiel in den Psalmen ganz oft:

“Du bist mein Gott und ich danke dir” (Ps 9 / 118)
oder
“Danket dem Herrn” (Ps 105 / 106 / 136)

Und auch im Neuen Testament lesen wir unter anderem von Paulus:

“Dankt Gott, dem Vater zu jederzeit für alles im Namen unseres Herrn, Jesus Christus”

Was ist also der Unterschied zwischen der Dankbarkeit, die wir heute allgemein kennen und der Dankbarkeit, die uns bei den Personen der Bibel immer wieder begegnet?

Der Unterschied ist, dass ihre Dankbarkeit von Herzen kommt. Wenn David in einem Psalm Gott dankt oder zum Dank aufruft, dann ist das keine leere Floskel oder eine Höflichkeitsformel. Er tut es auch nicht nur, weil er es so gelernt hat.

David dankt von Herzen, er dankt mit seiner Einstellung, mit seiner ganzen Person. Und das schlägt sich in seinen Psalmen nieder.

Lies die mal. Und dann überleg mal für dich, mit welcher Haltung du deine Dankgebete sprichst. Wie dankst du in deinem Alltag Gott?

Es geht nicht um die Formulierung. Sondern es geht um deine Einstellung, die hinter diesen Gebeten steht.

Dankst du aus deinem Herzen?
Oder dankst du, weil du das Gefühl hast, du musst?
Oder weil du es so gelernt hast?
Glaubst du, dass du Gott den Dank schuldig bist?

Also halten wir erstens fest:
Dankbarkeit ist eine Herzenseinstellung.
Eine Einstellung zum Leben.

Dankbarkeit ist wie ein Freudenfeuer in dessen Schein die Welt in einem anderen Licht erscheint. Und dieses Freudenfeuer der Dankbarkeit können wir in unserem Herzen entzünden.

Doch das ist noch nicht alles. Im Neuen Testament, in
Epheser 5 lesen wir von Paulus:

“Dankt Gott, dem Vater zu jederzeit für alles im Namen unseres Herrn, Jesus Christus.”

Im Kapitel 5 des Briefes an die Epheser versucht Paulus diesen Christen begreiflich zu machen, was es heißt Jesus nachzufolgen. Er verwendet hier die Metapher vom „Leben im Licht”. Jesus ist das Licht und die Liebe, durch die alles Dunkle in unserem Leben hell wird und wenn wir Jesus nachfolgen, sollen wir selber hell werden und lieben.

Wie das im Einzelnen aussieht, beschreibt Paulus in diesem Kapitel 5 des Epheser-Briefes. Aber als Abschluss seiner Ausführungen steht die Aufforderung:

„Dankt Gott, dem Vater zu jederzeit für alles im Namen unseres Herrn, Jesus Christus.”

Also ist Dankbarkeit nicht nur eine Herzenseinstellung, sondern auch ein Lebensstil. Keine einzelne Tat, sondern etwas, das ich permanent lebe.

Dein und mein Leben als Christen zeichnet sich dadurch aus, dass wir Gott lieben. Und eine Möglichkeit das zu zeigen, ist unsere Dankbarkeit.

Gründe für meine Undankbarkeit

Soviel zur Theorie. Aber wie sieht denn das ganze bei dir praktisch aus?

Praktizierst du diesen Lebensstil des Dankbar-Seins?

Ich habe mal für mich überlegt, warum ich oft undankbar bin.

Und vielleicht geht es dir an der einen oder anderen
Stelle ähnlich wie mir. Stell dir doch mal ganz ehrlich folgend Fragen:

  • Kritisiere ich öfter als zu loben?
  • Beschwere ich mich mehr als ich danke?
  • Ärgere ich mich häufiger als ich mich freue?

Wenn du eine dieser drei Fragen mit “Ja” beantworten kannst, dann gehörst du wie ich zu denen, die noch nicht so dankbar sind, wie sie es vor Gott und Menschen eigentlich sein könnten.

Warum ist das so? Warum bin ich oft undankbar?

Drei Punkte sind mir aufgefallen:

1. Weil ich in der Vergangenheit selbst oft undankbar behandelt wurde

Ich habe selbst oft erlebt, wie Menschen undankbar mit mir als Person oder mit dem, was ich getan habe, umgegangen sind.

Falsche Freunde oder auch einmal Lehrer in der Schule haben mich undankbar behandelt und dadurch seelisch verletzt. Das hat mich sicher geprägt und diese Verwundungen halten mich heute noch manchmal davon ab, ein dankbares Leben zu führen.

Warum bin ich noch undankbar?

2. Weil ich in der Gegenwart manche Dinge als Ungerechtigkeit empfinde

Ich erlebe, dass es Böses und Leid auf dieser Welt und auch in meinem unmittelbaren Umfeld gibt. Ich erlebe viele Dinge um mich herum als ungerecht oder nicht fair.

Beispiele...

Das beeinflusst mein Denken und verschliesst mein Herz.

Es ist überhaupt nicht leicht in dieser Welt dankbar zu sein.
Aber: Jesus hat nie gesagt, dass es leicht sein würde. Er hat nur gesagt, dass es sich lohnen würde.

Und der dritte Punkt, warum ich oft undankbar bin:

3. Weil ich Angst davor habe, was mir alles Schlechtes passieren könnte

Wir leben in einer Gesellschaft, die in permanenter Angst lebt. Angst vor dem steigenden Ölpreis, vor Terror und Gewalt, vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems um nur mal einige Beispiele zu nennen.

Und die Medien, der Fernseher, das Radio und das Internet pumpen uns täglich voll mit Meldungen, die diese Angst vor der ungewissen Zukunft schüren.

Gute Nachrichten, die mich gedanklich zur Dankbarkeit anregen, gibt es kaum.

Wie werde ich dankbar?

Doch wie gehe ich nun damit um? Wie kannst du damit umgehen? Wie können wir dankbare Menschen, Menschen voller Dank im Herzen werden?

Wehre dich gegen undankbare Gedanken in deinem Kopf und in deinem Herzen

Gott hat dir einen freien Willen gegeben. Du selbst bestimmst, welchen Gedanken und Gefühlen du Raum in dir gibst und welchen nicht.

Du bist geprägt von deiner Vergangenheit. Daran kannst du nichts ändern. Aber du kannst an deiner Gegenwart, an deiner Einstellung hier und jetzt etwas ändern.

Du musst dich einfach dazu entscheiden. Es hilft nichts, immer nur zu beten: “Bitte, bitte, Gott mach mich dankbar.”

Gott wird dich nicht gegen deinen Willen verändern. Er wird dir höchsten mehr Gelegenheiten geben, dankbar zu sein.

Zieh den Lebensstil “Dankbarkeit” einfach voll durch.

Es ist wahr, wir erfahren viele Ungerechtigkeiten, Böses und auch Leid in unserem Leben. Ob das jetzt auf der körperlichen, der gedanklichen oder der seelischen Ebene stattfindet.

Aber wovon willst du dein Leben bestimmen lassen?
Von den schlechten Dingen, die dir andere zugefügt haben?
Von den Unglücken, die in deinem Leben passieren?
Vom Bösen in dieser Welt?
Von der Angst vor der Zukunft?

Oder von der Hoffnung, die durch den Heiligen Geist in dir ist?
Von Jesus und seiner Liebe?

Wenn die Hoffnung und Liebe Jesu in deinem Leben ist, dann kann daraus echte Dankbarkeit entspringen.

Und: Ich behaupte, man kann dankbar sein ohne zufrieden zu sein. Ich weiß, dass das eine steile Aussage ist.

Aber ich bin der Überzeugung, dass das möglich ist.

Ein paar Beispiele:

  • Du hast eine Prüfung nicht geschafft.
  • Du hast einen Job nicht bekommen.
  • Du hast eine schlechte Leistung erbracht.
  • Du bist krank oder hast eine Behinderung.
  • Du findest deinen Körper nicht schön.
  • Dein Partner, deine Eltern, dein Kinder nerven dich an.
  • Deine Gemeinde läuft nicht richtig.
  • Deine Beziehung zu Gott ist gespannt.

Was würde passieren, wenn du in all diesen Situationen dankbar wärst anstatt dich zu beschweren und zu ärgern?

  • Dankbar dafür,
dass du die Prüfung noch mal besser machen kannst.
  • Dankbar dafür,
dass du in einem Staat mit sozialer Absicherung lebst, in dem es grundsätzlich möglich ist, sich ohne einen festen Arbeitsplatz zu ernähren.
  • Dankbar dafür,
dass deine Leistung nicht deinen Wert ausmacht.
  • Dankbar dafür,
dass du trotz Krankheit oder Einschränkung Liebe erfährst.
  • Dankbar,
dass dein Körper einzigartig und wunderschön ist.
  • Dankbar dafür,
dass du überhaupt einen Partner, Eltern oder Kinder hast.
  • Dankbar dafür,
dass du mit dieser Gemeinde an Gottes Reich bauen darfst.
  • Dankbar dafür,
dass Gott dich liebt und bei dir ist, auch wenn deine Beziehung zu ihm gerade nicht innig und tief ist.

Versteht mich bitte nicht falsch. Es geht hier nicht um Augen-Wischerei und darum bestehenden Problemen aus dem Weg zu gehen.

Dankbarkeit löst keine bestehenden Probleme. Aber sie gibt dir eine andere Perspektive auf sie.

Und, ja! Wir dürfen und sollen auch mit Klagen, Bitten und Aggressionen vor Gott kommen.

Doch die sollten nicht den größten Teil unseres Denkens einnehmen. Sie haben ihre Berechtigung.

Aber entscheidend sind deine grundsätzliche
Herzenseinstellung und dein Lebensstil.

Und die darfst du selbst umsetzen. Das ist auch eine Sache der Disziplin und der Konzentration. Du erlaubst, welche Gedanken sich in dir breit machen dürfen und welche nicht.

Du lebst nicht für dich selbst und auch nicht aus dir selbst. Aber du bist frei. Du kannst frei entscheiden, mit welchen Gedanken, Gefühlen und Haltungen du dein Leben füllen willst.

Das ist möglich. Genau das ist ein Teil der Freiheit, die wir in Jesus Christus haben.

Ich habe jetzt die ganze Zeit vom Dank gegenüber Gott gesprochen. Allerdings lässt sich das alles 1:1 auf die Menschen in unserer Umwelt übertragen.

Ich bin überzeugt davon, unser Umfeld und die Menschen um uns herum, werden sich verändern, wenn wir ihnen öfter mit Herzen voller Dank und weniger mit einem Kopf voller Beschwerde und Ärger begegnen.

Probier es aus! Werde dankbar!

Amen.