Material: Sei salzig und hell!

Predigt am 16.11.2008 in der FeG Werkel

Wochenlang waren wir mittlerweile mit ihm unterwegs. Ich hatte aufgehört zu zählen, wie viele Kranke er bis jetzt gesund gemacht hatte. Es mussten hunderte gewesen sein.

Insgeheim hoffte ich, dass wir jetzt mal eine Pause machen würden. So faszinierend wie er auch war, das ewig lange Herumwandern mit ihm machte mich doch ziemlich müde.

Und dann diese Massen von Leuten, die ihm die ganze Zeit nachliefen. Wir waren eigentlich ständig von Menschen umgeben. Außer nachts.

Wir kamen an einen kleinen Berg aus Steinen und Geröll. Er schaute sich um.
"Lasst uns da raufgehen" sagte er. "Dort sind wir unter uns."

Gute Entscheidung, dachte ich. Endlich mal ein wenig Pause, abseits von dem ganzen Rummel hier.

Langsam kraxelten wir den schmalen Trampelpfad nach oben. Oben angekommen setzte er sich.

Und wir, seine Schüler, setzen uns neben und vor ihn.

Und dann fing er an, uns zu lehren. Ich kann bis heute nicht beschreiben, was mich an seinen Worten so faszinierte. Aber von dem, was er sagte, ging eine Kraft aus, die mich total erfüllte.

Das war schon damals so gewesen, als er uns ausgesucht hatte. Wir hatten alles stehen und liegen gelassen und waren ihm nachgefolgt.

"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist nutzlos geworden; man schüttet es weg und die Leute zertreten es."

Ich hörte mein Herz leise schlagen. Ein leichter Wind wirbelte den Staub zu unseren Füßen auf.

"Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen sein.
 Und man zündet doch auch kein Licht an und stellt es dann unter einen Eimer. Stattdessen steckt man es in einen Leuchter. So leuchtet es allen, die im Hause sind.
Lasst also euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen."

Unsere Blicke klebten an seinen Lippen. So hatte ich noch nie einen Menschen reden hören.

Damals verstand ich nicht, was er damit meinte.
Aber heute habe ich es kapiert.

Ich weiss nicht, wie es bei euch ankommt. Aber ich höre in diesen Worten Jesu an seine Jünger als erstes einen unheimlich direkten Zuspruch.

Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt.

Das ist keine Bitte:
"Seid bitte das Salz der Erde."
"Bitte seid das Licht der Welt."

Es ist auch kein Gebot:
"Ihr müsst das Salz der Erde sein."
"Ihr sollt das Licht der Welt sein."

Und auch keine Verheißung:
"Ihr werdet das Salz der Erde sein."
"Eines Tages werdet ihr das Licht der Welt sein."

Es ist eine Tatsachen-Aussage. Etwas, das für Jesus fest steht.
Jesus spricht eine Wahrheit über das Leben seiner Jünger aus.

Er holt sie aus dem Gefühl der Bedeutungslosigkeit heraus. "Ihr seid..."

Wie müssen diese Worte auf die Gruppe von einfachen Fischern und Bauern gewirkt haben? Dieser Rabbi Jesus hatte sie als seine Schüler ausgesucht.

Und jetzt redete er über ihr eigenes Leben zu ihnen in einer Art und Weise, wie es sonst kein Mensch jemals getan hatte.

Gut, und was hat das jetzt mit dir und mir zu tun?

Ganz einfach: Wenn wir Jesu Jünger, seine Schüler, seine Nachfolger sind (und davon gehe ich hier mal schwer aus) dann gelten diese Worte uns heute genauso.

Mit diesen Worte sprach Jesus damals seine Jünger an und er sagt dasselbe heute zu dir und mir.

Du bist gemeint. Ich bin gemeint. Wir sind gemeint.

Was ist also unsere Identität in dieser Welt?
Wir sind das Salz der Erde. Wir sind das Licht der Welt.

Wir können natürlich aufhören unser Umfeld zu salzen.
Oder gar nicht erst anfangen, würzig für die Welt um uns herum zu sein.

Wir können auch unser Licht unter das Dach eines Gemeindehauses stellen.

Diese Freiheit lässt uns Gott. Er hat uns mit freiem Willen geschaffen.

Doch Jesus sagt hier ganz deutlich:

Das nicht deine Identität als mein Nachfolger. Du bist mit deiner ganzen Person dazu bestimmt, zu salzen und hell zu sein. Ich setze nicht auf irgendwen. Ich setze auf dich.

Ok, Jesus. Das habe ich jetzt verstanden. Du liebst mich und du gibst mir diese neue Identität. Salz auf dieser Erde, Licht in dieser Welt sein.

Aber was bedeutet das jetzt genau?
Wie bin ich denn Salz?
Wie leuchte ich denn hell?

Vielleicht fragst du das jetzt.

Ich habe mir mal einige Gedanken gemacht, wie das praktisch aussehen könnte.

Salz sein.

Du könntest beispielsweise den Menschen um dich herum einen neuen Geschmack geben.

Einen besseren Geschmack vom Leben und von Gott.

Als Nachfolger Jesu schauen die Menschen in deinem Umfeld darauf, wie du dein Leben lebst. Wie du es gestaltest. Und wie du deine Gottesbeziehung lebst.

Als Salz der Erde könntest du also durch einen liebevollen Umgang die Menschen um dich herum auf einen anderen Geschmack bringen.

Wenn andere sehen, dass wie du deine Liebesbeziehung zu Gott lebst und daraus auch Freude, Motivation und Kraft für deinen Alltag ziehst, dann könnte sich ihr Geschmack von Gott verändern.

Was ich damit meine ist: Du könntest ihr Herz öffnen für Gott, durch die Art und Weise wie sie in deinem Leben Gott sehen.

Als Salz der Erde könntest du auch der- oder diejenige sein, die Wunden desinfiziert, so dass Gott sie heilen kann.

Wie gehst du damit um, wenn du jemandem begegnest, der in seinem Leben tiefe Verletzungen erfahren hat?

Bis du einfach nur betroffen oder bist du vielleicht die Person, die mit Liebe und Einfühlsamkeit den Wunden von anderen begegnet?

Und Licht sein.

Vielleicht kann man sich das "Licht sein" wie eine Ampel vorstellen.

Als Nachfolger Jesu kann ich ein rote Ampel sein. Ich unterbreche den Verkehr des Alltags und der Gewöhnung.

Ich kann andere Menschen auf Missstände in unserer Gesellschaft oder in der Welt hinweisen und daran mitarbeiten, dass diese sich verändern.

Ist es für unsere Generation vielleicht ganz neu dran, Gottes Vorstellungen von Gerechtigkeit, Liebe und Frieden zu leben und der Welt mitzuteilen?

Ich kann auch eine gelbe Ampel sein. Ich leuchte und teile anderen dadurch mit: Achtung, etwas verändert sich!

Dein Leben muss nicht dunkel und trist bleiben. Es gibt Hoffnung. Es gibt eine bessere Welt: Das Reich Gottes. Es gibt Erlösung. Heute schon stückweise. Und später in Ewigkeit.

Ich bin dorthin unterwegs und du kannst mitkommen. Mit Jesus. Du kannst ihm mit mir zusammen nachfolgen. Und dabei erleben, dass er dein Herz und dein ganzes Leben verändert.

Und ich kann auch eine grüne Ampel sein. Das Licht der Ermutigung.

Ich kann die Menschen in meinem Umfeld dazu ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Selbstständig und selbstbewusst zu werden. Sich unabhängig zu machen, von der Meinung anderer.

Ich kann anderen zeigen, dass sie schön sind. Dass sie geliebt sind. Dass sie wertvoll sind.

Bitte versteht mich nicht falsch. Es geht nicht um ein gutes Gefühl. Es geht um das Leben selbst. Ein erfülltes Leben wie Gott es sich einst für jeden Menschen gedacht hat.

Ok, wenn das es ist, was Jesus mit Salz und Licht sein meinte, dann ist das ziemlich herausfordernd. Kann ich das als kleiner Jesus-Nachfolger überhaupt schaffen?

Ja.
Du kannst das, weil Gott selbst dir dazu die Kraft gibt. Dein Leben wird nicht aus dir selbst heraus zu einem würzigen und hellen Leben für andere.

Gottes heiliger Geist ist die Salzkraft und die Helligkeit in uns.

Wenn du dich dazu entscheidest, deine Identität anzunehmen, also Salz und Licht zu sein, dann kannst du das nur, weil Gott selbst durch jemand anderen in deinem Leben schon als Salz und Licht gewirkt hat.

Wenn du erfahren hast, dass du Gottes geliebtes Kind bist, dass du wertvoll bist und dass Gott auf dich als Person setzt, dann kannst du diese Erfahrung auch an andere weitergeben. Für andere hell und salzig sein.

Und noch eine Sache:
Keiner kann das allein. Wir brauchen uns als Gemeinde Jesu, als Volk Gottes, als Menschen mit dem Heiligen Geist, um Salz und Licht in dieser Welt zu sein.

Gott hat uns als Beziehungsmenschen erschaffen, die ihre Gaben und Fähigkeiten vernetzen können. Also lasst uns gemeinsam los gehen.

Ich möchte euch zum Abschluss einen Text vorlesen. Und ich bitte dich, jetzt die Augen zu schliessen und diesen Text einmal ganz für dich persönlich zu hören. Jesus.

Du bist in seinen Armen. Er hat dich berührt.
Du hast seine Liebe in deinem Leben gespürt.

Er hat das Licht in dir entzündet. Es brennt wie ein helles Feuer. Es verbreitet Wärme.

Du möchtest diese Wärme für dich behalten. Diese Helligkeit.

Doch Jesus sagt zu dir:

Sei Licht für diese Welt. Für die Menschen um dich herum.

Geh zu denen, die einsam sind. Zu denen, die krank sind. Zu denen die arm sind.

Geh zu den Depressiven, den Ausgegrenzten, zu denen die sich ungeliebt und wertlos fühlen.

Du bist es, den ich senden möchte. Gib das weiter, was du selber empfangen hast. Nicht mehr und nicht weniger.

Du musst nicht heller scheinen, als ich. Das schaffst du auch gar nicht.

Aber ich möchte, dass du das Feuer, das du in deinem Herzen trägst, weitergibst. Willst du das mit mir tun?

Bei diesem Satz steigen mir die Tränen in die Augen. Er meint wirklich mich. Er meint wirklich uns. Uns einfache Menschen.

Aber ich fühle mich so schwach und unfähig. Wie kann ich etwas bewirken in dieser Welt?

Und nochmal spricht Jesus zu dir:

Du bist auch das Salz, das ich auf diese Erde streue. Du trägst meine Kraft in dir. Du bringst den Geschmack meines Vaters in die Welt. Den Geschmack der Liebe und des Friedens.

Bewahre die Hoffnung, die du in dir trägst. Die Hoffnung auf eine bessere Welt.

Du bist derjenige, der anderen diese bessere Welt zeigen kann. Einen Vorgeschmack von Gottes Reich.

Liebe die Ungeliebten. Heile die Verwundeten. Ermutige die Entmutigten.

Ich möchte mit meinem Heiligen Geist durch dich diese Welt verändern. Hier und jetzt, an dem Ort, wo du gerade bist.

Mein geliebtes Kind, sei mein Salz und mein Licht. Würze diese Welt und mache sie hell.

Das ist deine Bestimmung!

Bei diesem letzten Satz sinke ich auf die Knie.
Ja, Herr Jesus, ich will gehen.

Amen.