Material: Heilig
Predigt am 24.05.2009 in der FeG Edertal
„Dir ist wohl gar nichts mehr heilig?“
„Heiliger Bimbam!“
„Ich verspreche hoch und heilig…“
Hast du diese Sätze schon mal irgendwo gehört? Oder hast du einen dieser Sätze vielleicht schon mal gesagt?
„Heilig“
Obwohl wir dieses Wort manchmal in den gerade genannten Zusammenhängen benutzen, ist es doch ein geheimnisvolles Wort.
Heilige Orte - Etwas, wonach sich viele Menschen sehnen.
Heiligkeit - Etwas, was mir fremd erscheint und zugleich so schön.
Heilig sein - Etwas, was man erreichen kann oder erreichen muss?
Es gibt so viele verschiedene Arten, das Wort „Heilig“ zu verstehen wie es christliche Konfessionen gibt. Jeder denkt sich dabei etwas Bestimmtes.
Ich möchte euch heute mal eine Möglichkeit vorstellen und bezeugen, wie man das Wort „Heilig“ verstehen kann. Und vor allem, was es für dein und mein Leben bedeuten kann.
Und ich lade euch jetzt dazu ein, mal mit mir zusammen über das Wort nachzudenken.
1. Begriffsklärung: Was ist heilig?
Zu Beginn sollten wir erstmal klären, was mit dem Wort „Heilig“ denn eigentlich gemeint ist.
Das hebräische Wort „kaddosch“ im Alten Testament und das griechische Wort „hagios“ im Neuen Testament bedeuten:
Besonders.
Abgesondert.
Ausgesondert.
Jesus hat das heiligste Leben geführt. Ich glaube, darüber sind wir uns einig, oder?
Wenn ich das Neue Testament lese, dann fällt mir immer wieder auf, dass sein Leben besonders war. So besonders, dass man es mit nichts auf dieser Welt vergleichen kann.
Was hat sein Leben so besonders gemacht?
Liebe.
Wenn wir über Heiligkeit nachdenken, dann müssen wir über Liebe nachdenken. Die beiden sind untrennbar miteinander verknüpft.
Jesus war aus drei Gründen heilig:
- Er wurde selbst geliebt. Gott selbst hat ihn in die Welt gebracht, ihn auserwählt und gesagt: „Das ist mein lieber Sohn.“ Und im Johannes-Evangelium lesen wir, wie Jesus selbst sagte: „Der Vater hat den Sohn lieb.“ Und am Ende fragt Jesus Petrus: „Hast du mich lieb?“ woraufhin dieser antwortet: „Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Jesus wurde also definitiv geliebt. Von Gott und von seinen Freunden.
- Er hat Gott und andere geliebt. Jesus hat sein Leben ausschliesslich nach zwei Geboten gelebt: „Liebe Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Er hat sich nicht an den Sabbat gehalten, er hat im Tempel gewütet und er hat den besonders Frommen widersprochen. Und gerade damit hat er Gott, seine Jünger und die anderen Menschen geliebt. Die Evangelien zeugen davon.
- Er hat aus der Liebe heraus gehandelt. Jesus ist nicht bei der theoretischen Gottes- und Nächstenliebe geblieben. Er hat gehandelt. Er hat die Kranken geheilt, er hat die Armen beachtet und er hat die Niedrigen und Schwachen ausgewählt. Er hat sich für die Gerechtigkeit eingesetzt. Ganz im Gegensatz dazu, wie es andere Gläubige damals taten.
Ähnliches bemerken wir, wenn wir uns die Menschen in der Geschichte anschauen, die wir vielleicht mit „heilig“ assoziieren. Die Jesus-Nachfolger, die wir kennen und die auch ein besonderes Leben geführt haben.
Paulus, Martin Luther, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Theresa.
Sie alle waren Menschen der Liebe. Und sie haben aus Gottes Liebe heraus gehandelt. Sie haben sich für Dinge eingesetzt, die größer waren als sie selbst. Sie haben ihr gemütliches Leben riskiert und sind teilweise dafür umgebracht worden.
Sie haben Gottes Reich der Liebe, der Veränderung und der Gerechtigkeit ausgebreitet. Deswegen trifft das Wort „heilig“ oder „besonders“ auf sie zu.
Wenn also jetzt das Wort „Heilig“ ganz eng mit der Liebe verknüpft ist, was ist dann „Unheilig?“
Dann wäre unheilig also alles, wo die Liebe fehlt. Gedanken ohne Liebe. Worte ohne Liebe. Taten ohne Liebe.
Dementsprechend gibt es also keine unheiligen Gegenstände. Es kommt immer darauf an, wozu ein Gegenstand benutzt wird.
Es gibt auch keinen unheiligen Kleidungsstil. Kleidung richtet sich nach dem Geschmack. Und Geschmack ist vielfältig. Wie die Schöpfung. Wie wir Menschen.
Auch unheilige Musik gibt es eigentlich nicht. Es gibt vielleicht unheilige Texte. Texte voller Depression oder Hass.
Aber Musik ist immer ein Ausdruck von Gefühlen. Und Gott hat auch unsere Gefühle und die Ausdrucksweisen dafür geschaffen. Somit gibt es keine Musik, die an sich vor Gott unheilig ist.
Ich definiere „Heilig“ also zusammenfassend so:
Heilig sein heißt, sich von Gott und anderen lieben lassen. In der Anbetung (von Gott) und in den persönlichen Beziehungen (von anderen).
Heilig sein heißt, Gott lieben mit meinem ganzen Leben, meiner Seele und aller meiner Kraft und meinen Nächsten wie mich selbst.
2. Warum sollen wir heilig sein?
Darauf könnte ich jetzt ganz einfach antworten: Weil wir Jesus nachfolgen.
Das klingt fromm und gut in unseren Ohren, nicht?
Aber ist uns klar, was das heißt?
Wir folgen nicht dem Sofa-Kuschel-Jesus, der nur unsere Bedürfnisse nach Sicherheit und Wohlfühlen befriedigt.
Wir folgen dem radikalen Messias. Dem Sohn Gottes, der radikal barmherzig, radikal vergebend und radikal liebevoll war. Und das kann an manchen Stellen ganz schön gefährlich sein.
Wir haben manchmal Entscheidungen zu treffen, die unbequem sind. Wir müssen vielleicht Wege gehen, die unkonventionell sind und nicht dem gesellschaftlichen Standard um uns herum entsprechen.
Und ich möchte hier mit einem weiteren Missverständnis aufräumen:
Wir sollen nicht heilig sein, um in den Himmel zu kommen. Dafür war Jesus heilig genug. Er hatte genügend Liebe, damit alle Menschen zu Gott kommen können.
Wir sollen aber heilig sein, um diese ganze Welt mit Gottes Heiligkeit zu überziehen.
Die ganze Welt soll von Gottes Liebe überzogen werden durch uns.
Ich bin davon überzeugt, dass es für Gott nicht darauf ankommt, welche Kleidung wir tragen, welche Musik wir hören, ob wir Sonntags immer regelmäßig zum Gottesdienst gehen.
Gott ist interessiert daran, wie viel Liebe wir von ihm in unser Leben gelassen haben und wie viel Liebe von unserem Leben auf andere übergegangen ist.
Wenn wir mit Jesus leben, dann sind wir eine Liebesbeziehung mit Gott eingegangen. Er liebt uns. Und wir lieben ihn. Hoffentlich.
Gott lieben, heißt: Ihn anbeten und ihm dienen. Gott dienen heißt, meinen Nächsten lieben. Es dreht sich also alles um die Liebe zu Gott.
Wenn wir uns fragen wollen: „Wie heilig lebe ich?“
Dann müssen wir uns fragen: „Wie viel liebe ich?
Wie sehr liebe ich Gott? Wie sehr liebe ich meine Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und den Obdachlosen an der Straße?“
Menschen werden nicht dadurch Christen, dass wir ihnen möglichst viele Informationen von Jesus erzählen und sie missionieren, indem wir sie voll predigen. Gute manche vielleicht schon.
Die meisten Menschen werden Christen, weil sie durch uns die Liebe Gottes ERLEBEN... in ihrem Leben.
Wir, die wir mit Jesus eine Beziehung haben, sind geliebte und geheiligte Kinder Gottes. Das ist die wichtigste Zusage Gottes für uns als Nachfolger. Und die Bibel bezeugt an so vielen Stellen diese Zusage.
Du bist ein geliebtes und geheiligtes Kind Gottes.
Das vergessen wir vielleicht manchmal: Du selbst bist geliebt. Ich selbst bin geliebt. Wir können nur lieben, wenn wir uns selbst lieben und geliebt wissen.
So wie Jesus. Nicht umsonst heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“
Heilige Menschen sind geliebte und liebende Menschen. Geliebte und liebende Menschen ziehen andere automatisch an.
Vielleicht sollten wir unser ganzes Gemeindeprogramm umstellen. Vielleicht ist es ab sofort dran statt viel Programm wieder hauptsächlich Liebe zu empfangen und zu bieten. Und Liebe drückt sich in Beziehungen aus.
Und damit komme ich zu meinem dritten Punkt.
3. Konkretion: Wie wir heilig sein können
Die Aussage des Sängers Samuel Harfst in diesem Lied eben war:
Wir sind vor Menschen und Gott nicht heilig, weil wir heilig tun.
Aber was heißt es dann, heilig zu sein?
Heilig zu sein bedeutet, Liebe zu sein. So wie Gott durch Jesus Liebe war und ist.
Ich strampele mich oftmals ab. Ich will doch so gerne heilig sei. Vielleicht willst du das auch. Vielleicht auch nicht. Vielleicht interessiert dich nur, wie du den nächsten Tag überstehst.
Gott möchte, dass wir besonders sind. Nicht weil wir uns besonders anstrengen. Sondern weil wir Menschen der Liebe sind. Menschen, die geliebt werden und lieben. Das ist heilig. Alles andere ist Beiwerk.
Je mehr Liebe, desto mehr Heiligkeit.
Heiligkeit kommt nicht mit Anstrengung. Heiligkeit kommt mit dem Eintauchen in die Liebe Gott. Untertauchen in Jesu Liebe und sich erfüllen lassen davon.
Ich schlage jetzt mal drei Ebenen vor, wo das geschehen bei uns persönlich und in unserer Gemeinde geschehen könnte:
1. Auf der Ebene von liebevollen Beziehungen
Wir können die Liebe in unsere Beziehungen wieder neu zur Priorität machen. Wir können z.B. in der Gemeinde die Anbetung und den Lobpreis wieder als eines der wichtigsten Elemente, um Gott zu lieben, ansehen. Wir können in unseren Familien und bei unseren Freunden wieder darauf schauen, dass wir uns gegenseitig mehr Gutes tun. Und wir können offen, respektvoll und wertschätzend den Menschen gegenüber sein, die ganz anders sind als wir selbst. Wir können mit Christen, die in eine andere Gemeinde gehen oder oder mit Menschen, die einen anderen Lebenswandel haben, liebevoll umgehen.
2. Auf der Ebene von liebevollen Entscheidungen
Wir können viele unserer täglichen Entscheidungen danach überprüfen, ob sie der Liebe zu Gott oder dem Nächsten dienen. Wir können uns für die tägliche Zeit mit Gott und für das Wohl des Nächsten entscheiden. Das heißt auch, dass ich mich gegen meinen Stolz und meine Verletzung entscheiden muss, wenn ich einen Konflikt mit jemanden habe. Sowohl in der Gemeinde als auch außerhalb.
3. Auf der Ebene von liebevollen Handlungen
Wir können die Kranken im Krankenhaus besuchen und ihnen Trost und Ermutigung zusprechen. Wir können die Vergebung in unserem gegenseitigen Umgang an die erste Stelle setzen. Dann ist es vielleicht dran auf die Person zuzugehen, der ich vergeben sollte. Wenn wir in der Gemeinde und draußen in unserem Ort nicht liebevoll handeln, dann ist das was wir hier machen nicht heilig. Es ist überflüssig. Es ist Unterhaltung, die wir auch anders schneller und günstiger bekommen könnten. Entschuldigung, wenn ich das jetzt hier so krass sage. Aber das ist es, was ich zutiefst glaube.
Sicherlich fallen dir selbst noch mehr liebevolle Handlungen ein, wenn du an dein Leben, deine Familie und deine Geschwister in der Gemeinde denkst.
Oftmals reicht es zu überlegen, was dir selbst gut tun würde, wenn du jetzt in der selben Situation wärst wie der andere. Und dann geh hin und tue genau das.
Schluss
Zum Schluss nochmal eine kurze Zusammenfassung in wenigen Sätzen:
Sei heilig, weil du geliebt bist.
Sei heilig, indem du dich lieben lässt.
Sei heilig, indem du liebst.
Du bist heilig durch
- Liebevolle Beziehungen (Herz)
- Liebevolle Entscheidungen (Kopf)
- Liebevolle Handlungen (Körper)
Sei heilig, denn er ist heilig und versuche nicht heilig zu tun.
Amen.