Material: Mensch, wo bist du?

Predigt in der FeG Edertal am 14.06.2009

Es war ein Sommerabend. Gott der HERR, ging wie jeden Abend durch sein Paradies spazieren.

Er liebte diese abendlichen Spaziergänge. Die Düfte der Natur, die Farben der Wiesen und Wälder, das Herumtollen der Tiere. Alles war sehr gut.

Aber was er vor allem liebte, waren die Gespräche auf diesen Spaziergängen. Tiefe Gespräche mit seinen Menschen, Adam und Eva.

Diese Verbundenheit, diese gegenseitige Liebe und Hingabe... das war etwas ganz Besonders.

Aber an diesem Abend war etwas anders. Die Farben der Natur waren verblasst. Es wehte ein kalter Wind. Die Tiere hatten sich in ihre Höhlen und Behausungen versteckt. Am Horizont, wo sonst der Sonnenuntergang zu sehen war, standen dunkle Wolken.

Adam und Eva waren nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen. An dieser kleinen Lichtung hatten sie sich bis jetzt jeden Abend mit Gott getroffen.

Durch Gottes Herz ging ein Stich. Er ahnte es. Nein, er wusste es.
„Adam, Mensch, wo bist du?“ rief er mit lauter Stimme.

Da kam aus dem dunklen, hintersten Eck der Lichtung eine ängstliche Antwort: „Wir sind hier. Wir wollten nicht, dass du uns siehst. Wir sind nämlich nackt.“

Als Adam diesen Satz gesagt hatte, war es für einige Sekunden lang totenstill.

Dann brach plötzlich ein gewaltiges Gewitter vom Himmel los. Blitzschläge kamen vom Himmel und der Donner hallte durch die Weite des Paradieses. Die Erde bebte und in der kleinen Lichtung riss der Erdboden zu einem gewaltigen Spalt auf.

Die Beziehung war gebrochen.

1. Was ist passiert?

Wenn ich die Geschichte vom Fall der Menschen in 1. Mose 3 lese, dann läuft mir ein Schauer über den Rücken. Was ist da passiert?

Gott hatte die Menschen, Mann und Frau, als seine Gegenüber, als seine Ebenbilder, als sein geliebten Lebewesen geschaffen. Er hatte ihnen einen Lebensraum gegeben, den sie bebauen, gestalten und bewahren sollten.

Gott hatte in tiefster Gemeinschaft mit ihnen gelebt... und dann?
Dann haben die Menschen diese Vertrauensbeziehung zutiefst enttäuscht.

Gott hatte ihnen nur eine einzige Grenze gesetzt:

„Zieht euch nicht die Früchte von diesem Baum rein, denn die sind nicht gut für euch. Ihr werde plötzlich unterscheiden können, ihr werdet das Böse kennenlernen und ihr werdet den Tod schmecken.
All das ist nicht für euch vorgesehen. Die anderen Früchte im Garten reichen vollkommen aus. Ihr dürft von allem im Paradies essen, aber ich erwarte, dass ihr von diesem einen Baum nicht esst. Vertraut mir.“

Aber die Menschen misstrauten Gott. Die Schlange hinterfragte den Herrschaftsanspruch Gottes in dieser Beziehung und sähte so Zweifel und Misstrauen in die Herzen der Menschen.

Eva und Adam konnten der Versuchung nicht widerstehen, sie aßen von diesem Baum. Sie wollten das Unbekannte kennen lernen. Sie wollten selbst über ihr Leben bestimmen. Sie wollten sich nicht von Gott begrenzen lassen.

Und damit haben sie alles kaputt gemacht. Sie haben die vertrauensvolle Beziehung aus Selbstsucht und Hochmut zerstört.

Wenn wir uns nun den weiteren Verlauf der Geschichte anschauen, so wie er uns in der Bibel überliefert ist, dann können wir eins erkennen:

Es ist der ständige Versuch Gottes, den Menschen wieder klar zu machen, wer er ist und dass sie ihn brauchen. Sie sind seine Ebenbilder, zur Beziehung mit ihm geschaffen.

Gott schreibt Geschichte mit seinem Volk Israel. Er wählt sie aus und führt sie aus Ägypten.

Er handelt durch die Richter, er zeigt sich bei den Königen und spricht durch die Propheten.

Doch die Menschen sind abgelenkt oder ihr Herz ist verhärtet. An vielen Stellen gehen Sie nicht auf das Beziehungsangebot Gottes ein. Sie wollen es nicht oder sie schaffen es nicht, die Beziehung zu ihm wieder an die erste Stelle zu setzen. Sie fallen immer wieder in die alten sündigen Verhaltensmuster zurück:

„Wir brauchen keinen Gott. Wir kriegen das alleine hin. Wir wollen selbst herrschen. Wir wissen am besten, was Gut und Böse ist. Wir machen uns andere Götter, die uns besser gefallen usw.“

Das ist der Fall des Menschen. Das Bild vom gefallenen Menschen durchzieht das ganze Alte Testament. Gefallen bedeutet: Aus der Beziehung mit Gott herausgelöst.

2. Gott macht den ersten Schritt

Doch traf Gott eine Entscheidung.
Eine Entscheidung, die die Welt ultimativ verändern sollte.

Er traf die Entscheidung, selbst die Distanz zwischen uns und ihm zu überwinden, indem er Mensch wurde.

In Jesus Christus begegnet den Menschen Gott, der schon immer war und nun sichtbar ist. Und er ist nicht nur sichtbar er krempelt die Geschichte dieser Welt total um.

Weil die Menschen nicht in der Lage sind, selbstständig zur vertrauten Beziehung mit ihrem Schöpfer zurück zu kehren, zeigt Gott wie sehr er die Menschen liebt. Er wird mit den Menschen solidarisch, damit sie ihn verstehen und ihm nachfolgen können. Raus aus dem Versteck, hin zur Beziehung mit ihm.

Am Kreuz erleidet Jesus den Schmerz und die Qual der Trennung von Gott dem Vater am eigenen Leib.

Jesus trägt das Misstrauen, das Versagen, das Leid und die Schuld jedes einzelnen Menschen. Und das gerade weil er als einziger Mensch nach Adam in dieser tiefen Vertrauensbeziehung zum Vater gelebt hat. Jesus stirbt im wahrsten Sinne des Wortes FÜR die Welt.

Und am dritten Tag erweckt Gott ihn von den Toten. Damit stellt er sich hinter Jesus und Jesu Leben. Gott selbst beseitigt die letzte große Trennung in der Beziehung zu ihm. Spätestens an der Auferstehung kann jeder Mensch erkennen, dass es Gott um die Beziehung geht.

Kann es sein, dass wir die Geschichten der Bibel manchmal in eine seltsame Distanz zu uns selbst setzen? Dass wir sie gar nicht mehr als „unsere Geschichten“ sehen, weil wir uns an sie gewöhnt haben?

Ob in der Bibel nun vom Fall des Menschen oder von Kreuz und Auferstehung erzählt wird, es geht immer um uns. Wir sind von der Vertrauensbeziehung entfernt. Und Jesus hat diese Beziehung für uns wieder hergestellt. Für dich und mich.

Und vielleicht hast du das vor kurzer oder längerer Zeit erkannt und für dich angenommen. Aber du hast dich an die Ereignisse gewöhnt, die damals geschehen sind.

Du hast fast vergessen, dass der Ruf Gottes „Mensch, wo bist du?“ ein Ruf nach dir ist. Gott ruft dich, in deinem Alltag, in deinem Leben, bei deinem geschäftigen Treiben, vielleicht auch in deiner Einsamkeit, in deinem Kampf mit dir selbst.

„Mensch, wo bist du?“
Gott stellt diese Frage nicht, weil er nicht weiß, wo sich Adam und Eva aufhalten. Er weiß es ganz genau.

„Mensch, wo bist du?“
Gott fragt nach der Beziehung mit dir. Er fragt nach dir. Nach deiner Nähe, deinem Herzen, deinem Vertrauen, deiner Liebe.

Die Frage verlangt uns eine Entscheidung ab. Gott drängt nicht und zwingt dich erst recht nicht. Er lässt dir den Freiraum zu entscheiden, was du mit deiner Lebenszeit anfangen willst und welche Dinge du an die erste Stelle setzt.

Versteht mich bitte richtig: Gott hat uns nicht nötig. Aber er will uns nötig haben. Und er weiß, dass wir ihn nötig haben. Gott liebt uns und möchte für uns, dass wir als seine geliebten Geschöpfe in Beziehung zu ihm leben.

3. Wie wir Schritte auf Gott zu gehen können

Nachdem nun Gott den ultimativen Schritt auf uns zu gegangen ist, sind wir an der Reihe.

Eine echte Beziehung hängt immer von beiden Seiten ab. Und er lässt uns frei entscheiden, wie wir zu ihm stehen wollen. Aber er sehnt sich für dich danach, dass wir nun Schritte auf ihn zu gehen. In seine ausgestreckten Arme.

Wir sind fähig auf Gottes Beziehungsangebot zu antworten. Gott hält seine Arme offen.

Ich glaube fest daran, dass wir täglich neu Schritte auf Gott zu gehen sollten und es auch können.

Wie könnten solche Schritte nun aussehen? Ich möchte euch mal drei Möglichkeiten aufzeigen, wie wir auf Gott zugehen können:

a) Im Gespräch

Du kannst die Beziehung mit Gott fest in deinen Tagesablauf integrieren. Nicht nur in einer Stillen Zeit morgens oder abends, sondern zu jedem Zeitpunkt: Beim Aufstehen, beim Kaffeetrinken, auf dem Klo, an der Arbeit, in der Schule, beim Essen, beim Spielen, während unserer Hobbies.

Jederzeit kannst du das Gespräch mit Gott suchen und Gott im Gebet antworten. Gott ist offen dafür, er sehnt sich nach Konversation und Dialog mit uns.

Das ist eine Frage des Willen und der Gewöhnung. Du kannst dir angewöhnen STÄNDIG mit Gott in Kontakt zu stehen.

b) In der Anbetung

Wer Gott ist, was er für uns getan hat und wonach er sich sehnt, dass erfahre ich persönlich am häufigsten in der Anbetung.

Anbetung kann ein musikalisches oder kreatives Abbild von Gottes Herz oder auch von unserer Sehnsucht oder unserer Liebe zu ihm sein.

c) In unserem Handeln

Immer wenn wir wie Jesus handeln, dann kommen wir dem Herz Gottes ein Stückchen näher.

Wenn du den Entmutigten neuen Mut zusprichst,
wenn du den Hoffnungslosen neue Hoffnung aufzeigst,
wenn du den Armen und Bedürftigen großzügig begegnest,
wenn du den Verletzten hilfst, heil zu werden,
wenn du den Lieblosen mit Liebe entgegen gehst,
wenn du dem Schuldigen vergibst oder Vergebung zusprichst,

dann schlägt dein Herz im gleichen Takt mit Gottes Herz.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Sich dem Herzen Gottes zu anzunähern und nicht

  • meinen egozentrischen Gedanken,
  • meinen selbstgerechten Vorstellungen oder
  • meinem Macht- und Herrschaftsstreben

zu folgen, kommt uns oftmals so schwer vor. Aber vielleicht sind wir es einfach nicht gewöhnt. Ich habe mich so sehr an mich selbst gewöhnt.

Aber es ist wieder neu dran, dass ich mich an Gottes Herzschlag gewöhne. Es ist das Beste und Schönste, was es gibt.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich ultra lohnt. Deshalb will ich an Jesus dran bleiben.

Wenn wir uns dem Herzen Gottes nähern und seine Sehnsucht nach uns ernst nehmen, dann werden wir immer freier und freier. Ich finden zu wahrer Freiheit im tiefen Vertrauen und der Abhängigkeit von Gott, unserem Schöpfer.

Auf die Sehnsucht Gottes: „Mensch, wo bist du?“ können wir dann antworten:

„Vater, ich bin hier. Ich bin dein, bitte komm in mein Herz.“

Schluss

Abschliessend möchte ich euch noch die Zusage Gottes zusprechen und bitte euch dabei die Augen zu schließen. Stelle dir mit geschlossen Augen vor, wie Jesus dich liebevoll ansieht und zu dir spricht.

Gott der HERR und dein Vater sagt heute morgen ganz persönlich zu dir:

Meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn! Ich rufe dich bei deinem Namen, du bist mein.
Ich sehne mich nach dir, nach deiner Gemeinschaft, nach den Gesprächen mit dir.
Es interessiert mich, wer du bist, wie du dich fühlst und was du machst.
Du kannst mir alles sagen, ich bin überall und in allem bei dir.
Ich weiß, du hast es auf dieser Welt oftmals schwer, mich unter all dem Lärm, der Hektik, den Konflikten und deiner Beschäftigung zu hören oder zu erleben.
Doch ich bin da und warte auf dich, geduldig, voller Freude und Liebe.
Ich bin traurig, wenn du dein Leben an andere Dinge hängst als an mich.
Ich freue mich, wenn du gute Entscheidungen triffst und dein Leben im Vertrauen auf mich ausrichtest.
Du bist mein Geschöpf und mein Kind. Ich bin dein Freund, dein Vater und dein König.

Amen.