Toleranzgrenzen

Dieser Beitrag musste einfach raus. Ich habe mir länger überlegt, ob darüber was schreibe, aber nach gestern Abend kann ich meinen Ärger nicht länger für mich behalten.

Es ist schon merkwürdig, welch niedrige Toleranzgrenze manche Menschen hier auf dem Dorf haben. Ein Beispiel: Wir machten vor einigen Wochen mit unserer Metalcore-Band eine Probe im Gemeindehaus. Nach einiger Zeit kommt ein alter Mann wutentbrannt in den Gemeindesaal und schreit uns an:

"Spinnt ihr denn völlig? Das ist ja überhaupt keine Musik, die ihr da macht. Wir wollen im Garten sitzen und ihr macht hier so einen Krach. Seid ihr noch ganz sauber?"

Entsprechend überrascht fiel meinen Jugendlichen nur ein: "Wir dürfen hier proben." Ich selbst sagte ganz sachlich: "Wir proben außerhalb der Mittagsruhe. Wir haben das Recht um diese Uhrzeit hier zu proben." (es war 17 Uhr)

"Wir werde ja sehen." sagte der Mann und verließ schnaubend den Gemeindesaal. Ich ging hinaus und wies meine Band-Kollegen an, mal zu spielen, während ich um das Haus gehen würde, um die Lautstärke zu überprüfen.

Und es ist nicht übertrieben, wenn ich schreibe: Außerhalb des Gemeindehauses war fast nichts zu hören. Man spürte die Schlagzeug-Base zart wummern und auch die E-Gitarre konnte man hinter den Mauern gerade so erahnen. Von Lautstärke konnte überhaupt keine Rede sein. Jeder Rasenmäher und jedes schreiende Kind wäre lauter gewesen.

Einige Tage später bekam ich einen Anruf von der Gemeindeleitung. Wir dürften jetzt im Gemeindehaus nicht mehr proben. Der Nachbar hätte sich beim Ortsvorsteher beschwert. Man wolle den Frieden mit den Nachbarn wahren, den man schon seit Jahren habe. An diesem Punkt ärgerte ich mich schon sehr. Weniger über die Entscheidung der Gemeindeleitung als über die Nachbarn.

Und gestern Abend kam der Hammer:
Wir machen im Teenkreis einige Spiele auf der Straße vor dem Gemeindehaus. Weil die Teens viel rannten und auch ein Ball geworfen wurde, bellte der Hund von den Nachbarn gegenüber ununterbrochen, vermutlich ca. 1 Stunde am Stück. (Dazu ist zu sagen, dass dieser Hund IMMER bellt, wenn sich vor dem Gemeindehaus etwas oder jemand bewegt.)

Da kommt doch ein anderer Nachbar und meint zu einem Teenkreis-Mitarbeiter:

"Könnt ihr jetzt bitte mal aufhören hier zu spielen? Der Hund bellt schon seit einer Stunde ununterbrochen. Es gibt ja Leute, die wollen um diese Uhrzeit auch mal im Garten sitzen und ihre Ruhe." (es war 19.30 Uhr)

Daraufhin haben wir die Spiele beendet. Ich bekam diese Aussage nur mit, weil ich einige Meter daneben stand. Ich glaube, wenn der Mann das zu mir gesagt hätte, wäre ich komplett ausgerastet.

Was kann denn bitte unser Teenkreis dafür, dass der Nachbar gegenüber einen Köter hat, der die ganze Zeit bellt, wenn sich irgend etwas bewegt? Ist es nicht Aufgabe des Nachbarn seinen Hund ruhig zu stellen? Wo sollen wir bitte sonst Spiele machen, die viel Platz brauchen, in dieser eng bewohnten Gegend? Und überhaupt: Wird die Gemeindearbeit nur geduldet, wenn sie absolut ruhig und unauffällig abläuft?

Glaubt mir, ich bin mit SONEM HALS gestern eingeschlafen. Da kommen der evangelistische Eifer und die christliche Nächstenliebe in mir echt an ihre Grenzen.

Fazit für mich:

  • Jugendarbeit ist auch dann lebendig, wichtig und richtig, wenn sie Anstoß erregt.
  • Menschen mit niedrigen Toleranzgrenzen sollten nicht bestätigt werden.
  • Das Spießbürgertum ist mir nach wie vor zuwider!
"Ich bin gekommen, um auf der Erde ein Feuer zu entzünden, und ich wollte, es stünde schon in hellen Flammen. [...] Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden in die Welt zu bringen? Nein, nicht Frieden, sage ich euch, sondern Entzweiung."
— Jesus (Lukas 12, 49-51)

Kommentare

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David
28. August 2009

Jawoll Sam, ich kann Dich nur verstehen! Aber ist ja nichts neues, dass in unserer Gesellschaft ein Tier manchmal mehr gilt als ein Mensch. Diese Männer gehören wahrscheinlich zu denen, die ständig über die Jugend schimpfen, dass keine Kinder mehr auf der Straße sind und die Jugend von Heute ja sooo unmotiviert ist. Naja, wen wunderts... wenns so wäre.

Hau rein - also im übertragenen Sinn :)

Ganz liebe Grüße

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der_torte
30. August 2009

Traurig, traurig.

Es ist doch nicht möglich, dass Menschen so reagieren! Da muss doch mehr dahinter stecken. Sind die irgendwie schon vorher schlecht auf die Gemeinde zu sprechen gewesen?
Bei dem Köter würde ja ein bisschen Rattengift Wunder wirken. Was bei dem lieblichen Nachbarn sicher auch nicht ganz verkehrt wäre. Oder du spendierst der Nachbarschaft eine Großpackung Oropax.

Grüße und viel Kraft,
Torsten

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Alex
08. September 2009

Ich hab ja auch einen Hund - und der bellt auch manchmal. Aber der hätte einfach ins Haus reingeholt werden sollen, das wäre des Nachbars Pflicht gewesen. Nervt den Besitzer es nicht wenn der Hund 1 Stunde draußen bellt?

Naja wie dem auch sei, ich kann diese ganze Landscheiße total nachvollziehen, hab auch 1 Jahr auf dem Land hinter mir und glaub mir - ich will nie wieder auf dem Land Gemeindearbeit machen.
Ich könnte mir vorstellen am Stadtrand zu wohnen o. Ä. aber die Landbevölkerung ist wirklich etwas gaaanz anderes. Und wenn man nicht dort aufgewachsen ist, kann man die Leute auch nicht nachvollziehen und sie dich genauso wenig.

Möge Gott dir trotzdem Friede, Freude, Kraft und Nächstenliebe geben, es sind ja genauso Gottes Kinder wie wir...

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