Unrühmlich, nein... abscheulich.
Eben war im in Quentin Tarantinos neuestem Film Inglorious Basterds. Eigentlich sind ja alle Tarantino-Filme (außer vielleicht From Dusk Till Dawn) vom selben Motiv durchzogen: Rache. Ein Böser tut etwas Böses. Dann kommen die Guten und tun dem Bösen etwas vergleichbar Böses oder etwas noch Böseres an. Das ist ein funktionierendes Konzept für einen Film, weil es das menschliche Gefühl für Gerechtigkeit anregt. In diesem Film treibt Tarantino es aber viel zu weit.

Selten habe ich mich nach einem Kino-Besuch so über einen Film geärgert. Eine derart undifferenzierte und amerikanisierte Abhandlung über das Dritte Reich habe ich noch nie gesehen. Und während die anderen Filme von Tarantino an manchen Stellen mit einer annehmbaren Prise schwarzem Humor gewürzt sind, ist dieser Film ein krankhaft-brutales Spektakel der abartigen Art.
Die Nazis waren sehr schlimm. Ihr Gedankengut war krank und narzistisch. Ihre Taten waren grauenvoll und schrecklich. Ich lehne jeglichen Faschismus und Rassismus als menschenunwürdig ab. Ich kämpfe aktiv gegen rechte oder rassistische Tendenzen in den Köpfen von Menschen. Ich will verhindern, dass so etwas wie das Dritte Reich jemals wieder passiert.
Aber Tarantino glorifiziert in diesem Film genau das, was die Nazis im Dritten Reich machten. Nur aus der Perspektive der anderen, der vermeintlich Guten. Er lässt die Rache als die einzig richtige Reaktion auf Nazis dastehen. Er differenziert nicht. Darüber können auch die langen Dialoge des Films nicht hinwegtäuschen. Und letztendlich lässt Tarantino in diesem Film auch alle halbwegs menschlich erscheinenden Sympathie-Träger gnadenlos sterben.
Natürlich könnte man jetzt argumentieren: Übertreibung ist ein Stilmittel der sarkastischen Kunst. Aber dieser Film wirkt auf mich nicht wie Kunst. Er ist auch an keiner Stelle unterhaltend. Er fühlt sich eher an, wie eine persönliche Abrechnung von Quentin Tarantino und Eli Roth mit dem Thema Nationalsozialismus.
Insgesamt war dieser persönliche Racheakt der beiden eine Beleidigung meiner Augen. Und meines gesunden Menschenverstandes. Und natürlich erst recht meines christlichen Menschenbildes.
Schade, dass der Trailer so geschnitten war, dass er meine Neugier geweckt hat. Die Vorschau täuscht darüber hinweg, dass der Film vor allem eins ist: Blutig und düster. Beziehungsweise einfach krank.
Meine Empfehlung: Nicht anschauen. Man verpasst nichts.
[Böses] mit Rache zu vergelten, hat keinen Sinn. Nichts wird so
wieder gut gemacht. — Frodo in Herr der Ringe
Kommentare
Albi
01. Oktober 2009
hi sam,
ich fands, sagen wir mal interessant deine kritik zu dem film zu lesen. ich hab ihn mir auch angeschaut, gleich zwei mal, weil ich ihn richtig gut fand. dazu muss ich sagen das tarantino einer meiner lieblingsregisseure ist. der grund warum ich den film gut finde sind die zahlreichen kleinen gags, überraschungsmomente, typographische spielchen ("hugo stieglitz"), der bildstyle und wie die story insgesamt aufgebaut war. und ja, wenn man sich nen tarantino reinzieht, dann sollte man schon wissen das es da nicht gerade christlich-ethisch-gesittet abgeht. das in dem film gewalt glorifiiert wird, kann ich so nicht unterstreichen. die saw-filme sind d in meinen augen weitaus schlimmer. klar hätten in dem film ein paar szenen nicht sein müssen, aber diese szenen gabs auch schon in kill bill, pulp fiction & co. und es wäre kein tarantino gewesen wenn er die szenen draußen gelassen hätte. für mich ist dieser film, trotz aller gewalt, insgesamt ein kunstwerk, wenn auch eins der etwas anderen art. die gründe dafür sind oben genannt. bin schon gespannt auf die dvd.
liebe grüße_dein albi
Sam
01. Oktober 2009
Die anderen Tarantino-Filme gefallen mir auch nach wie vor zum größten Teil. Aber wo siehst du bei diesem Film die Kunst? Ok, die Gags sind zum Schmunzeln gut und auch der Ablauf ist interessant/witzig. Aber alles wird überschattet vom Motiv der gnadenlosen Rache. Klar, SAW ist um einiges härter. Habe mir aus reiner Neugier (weil manche Jugendliche öfters davon reden) auch Teil 1+2 mal angeschaut. Aber bei SAW finde ich den Grundgedanken im Hintergrund gar nicht schlecht. Obwohl die Gore-Faktor natürlich ungleich höher ist. Aber ich bin der Meinung, das Tarantino sich bei Inglorious Basters über ein Thema auskotzt, dass eine deutlich differenziertere Darstellung verdient hätte. Alle anderen Filme waren ja fiktiv. Aber hier werden geschichtliche Sachen genommen und im Hollywood-Mixer einmal kräftig durchgewirbelt. Raus kommen viel Blut und krankhafte Bilder. Naja, auch wenn Geschmäcker verschieden sind: Wir müssen uns nochmal länger über deine Argumente "für" den Film unterhalten. Wann sehen wir uns das nächste Mal? ;-)
Markus
04. Oktober 2009
Hi Sam,
Ich hab mir den Film eben angesehn und der Joh hat mir den Link gegeben und ich sollte mal lesen was du von dem Film hälst. Ich war sehr begeistert von dem Film muss ich sagen. Für mich einfach ein typischer Quentin Tarantino Film, da gehört die Gewalt schon dazu und Kill Bill ist meiner Meinung nach auch brutaler. Und mit den Saw Filmen kann man den Film nun wirklich nicht vergleichen. Die guck ich mir zwar auch gerne an, aber die sind ungleich brutaler und haben viel weniger Handlung als dieser Film. Wobei ich sagen muss, dass ich das Ende von Inglorious Basterds schon ein wenig komisch fand, aber ansonsten war der Film echt klasse, mit fast nur guten Schauspielern :)
Liebe Grüße, Markus
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